Überparteiliche Initiative „Schulautonomie Monitoring Österreich“ fordert Veröffentlichung der Volksschul-DirektorInnen-Umfrage VOR Beschlussfassung im Nationalrat

Überparteiliche Initiative „Schulautonomie Monitoring Österreich“ fordert Veröffentlichung der Volksschul-DirektorInnen-Umfrage VOR Beschlussfassung im Nationalrat

Es ist mittlerweile genau ein Jahr vergangen, seit im Dezember 2017 alle österreichischen Volksschul-DirektorInnen bei einer verpflichtenden Umfrage des BIFIE insgesamt 76 Fragen online beantwortet haben. Die Ergebnisse sind bis zum heutigen Tag: GEHEIM.
Es geht um nicht weniger als um die Resonanz auf die Grundschulreform 2016 aus der Sicht der betroffenen Volksschulen. Und um wesentliche Fragen, die auch am 12.12.2018 im Nationalrat zur Abstimmung stehen, insbesondere die beabsichtigte Einschränkung der schulautonomen Möglichkeit alternativer Beurteilung von (bisher) 1. bis 3. Volksschulklasse auf künftig nur noch die 1. Klasse.
Wie BM Heinz Faßmann im Rahmen des vorwöchigen Expertenhearings im parlamentarischen Unterrichtsausschuss versicherte, würden die Ergebnisse dieser Umfrage „selbstverständlich“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. ABER WANN?

Seit Mitte November 2018 liegt eine vom (grünen) Bundesrats-Abgeordneten David Stögmüller initiierte schriftliche Anfrage betreffend „formative Evaluation der Grundschulreform“ vor (insgesamt 17 Detail-Fragen rund um die Erhebung aus dem Dezember 2017).
Warum hält das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung die Ergebnisse der BIFIE-Umfrage so lange zurück, bis das neue Schulgesetz beschlossen ist?

„Es ist demokratiepolitisch nicht korrekt, die Ergebnisse einer Umfrage unter Hunderten von VolksschuldirektorInnen weder diesen selbst noch der interessierten Öffentlichkeit ein Jahr lang zu verschweigen“ meint Josef Reichmayr als Sprecher von „Schulautonomie Monitoring Österreich“ und fordert die Verschiebung der Abstimmung im Nationalrat, bis die Umfrageergebnisse bekannt gemacht sind.
Seitens des BMBWF wird auf die erweiterten Möglichkeiten schulautonomer Entscheidungen und folgerichtig auch Verantwortungsübernahme durch die einzelnen Schulen verwiesen – etwa hinsichtlich der Auflösung der 50-Minuten-Einheiten zugunsten längerer und flexibler Lernzeitblöcke, Einrichtung unterschiedlich großer und flexibel zusammengesetzter Lerngruppen für Projekte u.Ä., Wahlfreiheit des Schulstandorts hinsichtlich der dauerhaften Einrichtung leistungshomogener Lerngruppen bzw. integrativer Beschulung an den Mittelschulen, Mitsprache des Schulstandorts bei der Anstellung neuer LehrerInnen.
Aus der Sicht von „Schulautonomie Monitoring Österreich“ sind die genannten Schritte Richtung Schulautonomie noch viel zu kleine, zaghafte und zersplitterte Ansätze. Vor allem fehlt es an einer Grundsatzerklärung des Bildungsministeriums, besser noch aller im Nationalrat vertretenen Parteien über Sinn und Umfang schulautonomer Maßnahmen im Sinne einer grundlegenden Reorganisation der österreichischen Schule.

Unter den gegebenen Umständen droht eine Aushöhlung der dringend gebotenen „Schulautonomie“ zu einem Fleckerlteppich kleiner Zugeständnisse an die Schulen, verknüpft mit und konterkariert durch eine Reihe von zentralistischen Willkürakten:

– Beschneidung der erst seit eineinhalb Jahren gewährten Möglichkeit autonomer Festlegungen zur alternativen Beurteilung und zu altersgemischten Lerngruppen auf den Volksschulstufen 1 – 3. Nach dem grundsätzlich vernünftigen Rechnungshofbericht zur Reduktion der tausenden Schulversuche zur alternativen Beurteilung im Sinne autonomer Standortentscheidungen wird das keine zwei Jahre später weitgehend annulliert und ist den Schulen mittlerweile die Möglichkeit der Einreichung von Schulversuchen dazu kaum oder nicht mehr möglich

– Oktroyierung einer „Etikettierung“ (Einstufung) aller MittelschülerInnen ab der 6. Schulstufe unter den Kategorien „Standard“ oder „Standard AHS“, und das ultimativ innerhalb der ersten zwei Schulwochen und selbst bei integrativ geführtem Unterricht

– Zentralistische ministerielle Einmischung und Gängelung der Schulen hinsichtlich der Gestaltung einer gelungenen Sprachförderung von Kindern anderer Muttersprachen (unter dem einseitigen Motto „Separation ist gut“) – die einzelnen Schulstandorte und ihre konkreten Umsetzungsideen sind nicht gefragt!

– Die schulautonome Flexibilisierung der Unterrichtseinheiten ist in der Praxis schwer bis undurchführbar, solange die schulbehördlichen Abrechnungs- und Dokumentationsverfahren nicht angepasst werden, sondern jahrzehntelangen Schemata der Lehrfächerverteilung folgen und Team-Teaching bzw. ganzheitlicher Projektunterricht nicht abbildbar ist.

– Die Mitsprache der Schulen bei der Anstellung von neuem Personal ist begrüßenswert – um die heiklere Frage der Trennung von LehrerInnen, die ein bestimmtes Schulprofil nicht mittragen wollen oder können, drückt sich der Gesetzgeber leider herum.

Im Sinne der o.g. Ausführungen schließen wir uns dem Aufruf der Eltern-Initiative „Nicht über die Köpfe unserer Kinder hinweg“ zu einem öffentlichen Appell an Bundesminister Faßmann zur Verschiebung der Beschlussfassung im Nationalrat an – 11.12.2018, 18°° Minoritenplatz.

Josef Reichmayr & Elisabeth Kugler Rückfragehinweis: Josef Reichmayr
SprecherInnen der überparteilichen Initiative „Schulautonomie Monitoring Österreich“ ( www.schaumonito.at )

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Comments

  1. Beatrix Kusztrich: März 16, 2019 at 9:05 pm

    Fragen zum Bildungs-Kongress

    kann am Freitag erst gegen 18 Uhr in Linz sein
    Wo in Linz findet der Kongress statt?
    Kosten für die 3 Tage?

    • Bernhard Lahner: März 24, 2019 at 7:15 am

      Liebe Frau Kusztrich,

      Wir versuchen den Kongress gratis anzubieten. Spenden sind jedoch immer erlaubt :).
      Spätere Anreisen sind natürlich kein Problem. Der Veranstaltungsort wird noch bekanntgegeben.

      glg b.

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