schaumonito unterstützt Tiroler Initiative

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Sehr geehrter Herr Bundesminister Univ. Prof. Dr. Faßmann!
April 2018

 

Mit großer Sorge beobachten wir Schulleiter/innen der Neuen Mittelschulen die Diskussion, die in den Medien über unseren Schultyp geführt wird.

Dabei werden Sie, Herr Bundesminister, unter anderem mit den Worten zitiert, „die Neue Mittelschule darf nicht Restschule werden.“ In diesem Zusammenhang werden Überlegungen hinsichtlich der Rückkehr von der siebenteiligen zur fünfteiligen Notenskala und das schrittweise Zurückfahren von Team-Teaching genannt. Begründet werden diese Überlegungen damit, dass die erbrachten Leistungen nicht den Erwartungen entsprechen und in einem Rechnungshofbericht die Ausschöpfung des Ressourceneinsatzes als nicht optimal bezeichnet wird.
Es stellt sich die Frage, auf Grund welcher wissenschaftlichen Daten ein derartiger Schluss legitim ist.

Zwei Drittel der österreichischen 10- bis 14-Jährigen besuchen Neue Mittelschulen, zwei Drittel der Schüler/innen der Berufsbildenden Höheren Schulen kommen aus der NMS. Zudem sind wir ein wichtiger Partner der Wirtschaft, die dringend gut vorbereitete Lehrlinge sucht.

Täglich unternehmen Lehrer/innen der Neuen Mittelschulen große Anstrengungen, ihren Schülern/Schülerinnen zeitgemäßen und hochwertigen Unterricht zu bieten. Lehrer/innen und Schulleiter/innen haben viel Engagement in die Entwicklung und Umsetzung der Neuen Mittelschule gesetzt. Die zuletzt rückgemeldeten Ergebnisse der Testung der Bildungsstandards M8 2017 weisen bessere Ergebnisse auf als die Testung M8 im Jahr 2012, als noch in der großen Mehrheit Leistungsgruppen getestet wurden.

Der unterschiedliche Grad der Kompetenzerreichung an APS und AHS ist weniger ein Ergebnis des unterrichtlichen Handelns, als vielmehr eine Frage der unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen der Schüler/innen der beiden Schulsparten. So mangelt es laut der Standardüberprüfung Mathematik, 4. Schulstufe, 2013, am Übergang zur Sekundarstufe 1 etwa 17% der Schüler/innen die eine APS besuchen, an elementaren mathematischen Fähigkeiten.Die Leistungslücke am Beginn der Sek1 war 2012/13 im APS-Bereich besonders stark. Die Ergebnisse 2017 belegen verbesserte Leistungen. Es gelingt NMS-LehrerInnen also zunehmend, diese Lücke zu schließen und den Zielbereich der BISTA zu erreichen. (Bundesergebnisbericht, Schreiner et al., 2018)

Um solchen Voraussetzungen im Unterricht gerecht werden zu können, benötigen unsere Neuen Mittelschulen sowie die Volksschulen selbstverständlich entsprechende Ressourcen.

Wenn nun die NMS und damit die Menschen, die sie tagtäglich mit Leben erfüllen, in den Medien von Politikern diskriminiert werden, appellieren wir Schulleiter/innen an Sie, sich hinter diese Menschen zu stellen, die Sie als Bundesminister für Bildung vertreten. Die Behauptung eines Politikers (Die Presse, 8.3.2018), dass „die Reparatur der Totgeburt NMS eine zukunftsweisende Maßnahme“ darstelle, verunglimpft jede geleistete Entwicklungsarbeit in der NMS.

Wir ersuchen Sie, diesen Diffamierungen entschieden entgegenzutreten, besonders auch im Hinblick darauf, dass die Hauptlast der Integration und Inklusion in der Sekundarstufe 1 von unserem Schultyp bewältigt wird!

Die Neue Mittelschule als gescheitert zu erklären, entbehrt jeder empirischen Grundlage. Eine rationale, von wissenschaftlichen Erkenntnissen gestützte Auseinandersetzung zur Schulentwicklung würden wir sehr gerne führen. Wir sind Ihre Ansprechpartner für Schulentwicklung in der Bildungspolitik!

Die Eltern unserer Schüler/innen legen Wert auf Zuverlässigkeit und Beständigkeit. Wir wollen deshalb kontinuierlich und konsequent an unserer Schulqualität weiterarbeiten.

Daher fordern wir Schulleiter/innen die politischen Entscheidungsträger auf:

  • abwertenden Äußerungen gegenüber der NMS entgegenzutreten und sich auf konstruktive Kritik zu beschränken.
  • anzuerkennen, dass österreichweit durch die stetige Erhöhung der Klassenzahlen in den AHS die Arbeit der NMS erschwert wurde und wird.
  • nicht ausgerechnet die Ressource des Team-Teaching zurückzufahren, die eine erfolgreiche Bewältigung der stetig steigenden Arbeitsbelastung ermöglicht und es erlaubt, den unterschiedlichsten Ansprüchen der Schüler/innen gerecht zu werden.
  • zu bedenken, dass eine Abänderung des NMS-Konzeptes von der flexiblen Differenzierung in einer heterogenen Gruppe (- die vor allem durch Team-Teaching erreicht wird!) die bisher geleistete Schulentwicklung in Frage stellt.
  • Sprachstartklassen nicht auf Kosten von Team-Teaching oder Integrationsstunden zu finanzieren.

Die Schulleiter/innen der Tiroler Neuen Mittelschulen erwarten sich, dass der für sie zuständige Bundesminister die angekündigte Aufwertung der Neuen Mittelschule nicht durch Ressourcenkürzungen verhindert, sondern den begonnenen Schulentwicklungsprozess kontinuierlich und verlässlich weiterführt. Nur so können Eltern auf die Qualität unserer Neuen Mittelschulen vertrauen!

Hochachtungsvoll

 

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