Schulautonomie und Deregulierung: Wer nimmt wen mit auf die Reise

Schulautonomie und Deregulierung: Wer nimmt wen mit auf die Reise

Das politische Ticket für die erste Etappe auf dem Weg zu essenzieller Schulautonomie scheint gelöst. Was davon bei den Schulen ankommt und wie sich der pädagogische Handlungsspielraum für SchulleiterInnen und PädagogInnen wirklich vergrößert, ist eine spannende und noch keineswegs eindeutig beantwortete Frage.

Wie denn auch: Nicht wenige Schulen haben sich schon länger auf den Weg gemacht und trotz widriger Umstände, trotz krasser Überregulierung durch Bundes- und Landesvorschriften gewisse Freiräume geschaffen – zugunsten zeitgemäßer Lernkulturen. Aus dieser Sicht ist mehr, essenzielle Schulautonomie, radikale Deregulierung überfällig.

Andere Schulen warten noch ab, sehen mit skeptisch-ängstlichem Blick in die Zukunft. Nur Fakten werden hier überzeugend wirken.

Gespräche und Verhandlungen auf höchster Ebene mit der Bildungsministerin Sonja Hammerschmid laufen und das ist gut so und eines demokratischen Prozesses würdig. Für das Gelingen von Schulautonomie braucht es aber mehr als nur den Disput zwischen Partei- und Gewerkschaftsfunktionären, Eltern- und LehrervertreterInnen: Es braucht auch die Stimme der unmittelbar Betroffenen, der Schulen selbst – ungefiltert von Parteibrillen, Lobby-Blickwinkeln, Standesinteressen.

Zum Beispiel das erfolgreiche Aufbegehren gegen eine Novelle der Leistungsbeurteilungsverordnung Mitte November 2016: An die Stelle tausender vielgestaltiger Schulversuche für eine wirklich alternative Beurteilung im Volksschulbereich sollte unter dem Motto der Schulautonomie verpflichtend eine verkappte Umschreibung der herkömmlichen Ziffernnoten treten. Die Verordnung des BMB wurde nach Protest von der Basis deutlich entschärft!

„Schulautonomie Monitoring Österreich“ möchte als überparteiliche Initiative vor allem darauf achten, was an den Schulen künftig wirklich ankommt: an bürokratischen Erleichterungen, an pädagogischen Handlungsspielräumen, an dafür nötigen Ressourcen!

Echte Schulautonomie kann nicht gelingen, wenn dies wie gehabt als einseitiger Prozess der „Autonomie-Verordnung von oben nach unten“ verläuft.

Gelingende Schulautonomie braucht entscheidend die Stimme, das Korrektiv, die Handlungs- und Verantwortungsbereitschaft der PädagogInnen, der SchulleiterInnen, der SchulpartnerInnen vor Ort!

Die Reise hat begonnen, mit einer entschlossenen und zugleich hellhörigen Bildungsministerin in der Zuglokomotive. Die Betroffenen an den Schulen sind nicht nur blinde Passagiere: Sie sind es, deren Tun entscheidet, ob die Reise zu einem guten Ziel führt. Sie sind es, die auf kleine und größere Stolpersteine hinweisen müssen. Wer sonst sollte es wissen und tun?

Beitrag von Josef Reichmayr, Schulautonomie Monitoring Österreich

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