„Schulautonomie“ im Laufe der Zeit

„Schulautonomie“ im Laufe der Zeit

In den Achtzigern nutzte ich die Autonomie, die der Stadtschulrat für Wien damals gewährte, der ganz unkompliziert Unterrichtsentwicklungsprojekten von innovativen Lehrer/innen zustimmte, wenn sie dem Kriterium „kostenneutral“ entsprachen. Damals entstanden „bottom up“ viele Aspekte modernen Unterrichts wie alternative Beurteilungsformen, offenes Lernen, freies Schreiben, ein Projektzentrum und vieles mehr. Wenn die Idee ankam, wurde sie über die Lehrer/innenfortbildung verbreitet und erreichte oft den Status des Schulversuches. Heute sind viele dieser Ideen nicht mehr aus dem Schulalltag wegzudenken.

In den Neunzigern wurde der Begriff „Schulentwicklung“ implementiert und die Schule als pädagogische Handlungseinheit erkannt. Mit der Qualitätsinitiative QIS (Qualität in Schulen) gab es ein Instrument, das Schulen freiwillig und autonom umsetzen konnten. Innovative Schulstandorte kamen dort an ihre Grenzen, wo es um Veränderungen der Raum-, Zeit- und Personalstrukturen ging. Endlich wird sich das ändern! Besondere Innovationen der Neunziger waren die Entwicklungen im Rahmen der Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Dann folgte eine Durststrecke. Mit der Regierung Schüssel waren die Schulen mit harten Einsparungen konfrontiert und Innovationen waren weder erwünscht noch möglich, da alle die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht hatten. Diese Durststrecke hat nachhaltige Schäden im gesamten Bildungssystem hinterlassen. Bis jetzt konnte die Frustration, die sich damals entwickelt hat, nicht vollständig abgebaut werden.

Nun eröffnen sich durch das Schulreformpaket neue Möglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer, ihre Schule nicht nur zu verwalten, sondern zu gestalten. Wir haben lange darauf gewartet, dass sich Teams finden können, die gemeinsam ein pädagogisches Konzept erstellen und tragen. Wir haben lange darauf gewartet, dass Teams Raum-, Zeit-, Kooperationsformen und Ressourcenverteilung den Bedürfnissen am Standort anpassen können. Was bis jetzt nur in Einzelfällen mit viel persönlichem Einsatz möglich war, kann jetzt an jeder Schule umgesetzt werden.

Was die Schule jetzt braucht, sind begeisterungsfähige, innovative, kluge Köpfe, die sich für die Kinder und die Unterrichts- und Schulqualität offensiv einbringen. Der Lohn ist mehr Zufriedenheit, Freude und Identifikation mit dem, was man tut.

Packen wir es an! Machen wir gute Schulen!

Prof. PH. i.R. Mag. Dr. Marianne Wilhelm

fokus:bildung – Lehrer/innenaus- und Fortbildung (Bildungswissenschaft und Inklusive Pädagogik)

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